Reishi Geschichte

Reishi Geschichte

Die Existenz des Ling Zhioder Reishi Pilzes bewegte die Gemüter der frühen ostasiatischen Zivilisationen schon vor rund 4000 Jahren. Der „Pilz des langen Lebens“ wurde bereits lange vor unserer Zeitrechnung in Liedern, Bildern und Gedichten verehrt. Spätestens seit dem 13. Jahrhundert n. Chr. wurden auch Jadeskulpturen, Ornamentschnitzereien und Schmuckstücke mit dem sinnstiftenden Konterfei des Glänzenden Lackporlings verziert. Taoisten und Buddhisten galt er als Glücksbringer, heiratswilligen Asiatinnen ebnete er zwanglos den Weg in vorteilhafte Ehen.

Einige der wundersamen Geschichten um die lebensverlängernde Kostbarkeit erzählt man sich heute noch. Folgt man den alten Quellen, war Shih Huang Ti der erste chinesische Herrscher, der sich ernsthaft der Suche nach der Unsterblichkeit verschrieben hat. Der sagenumwobene „Gelbe Kaiser“ regierte das Reich der Mitte von 2697 bis 2597 vor Christus. Als ihm eines Tages die Geschichte über einen Baumpilz zugetragen wurde, der das Leben eines Mannes um viele Jahre verlängern sollte, sandte er seine Untergebenen in jeden Winkel seines riesigen Reichs, um das Wundermittel zu finden. Ohne Erfolg, wie es heißt. Der Reishi, der in der freien Natur nur auf einem von 10000 Bäumen zu finden ist, gab diesem Kaiser sein Geheimnis nicht preis.

Die einfachen Leute hatten vor der Zeitenwende offenbar mehr Glück, wenn es darum ging, sich den Pilz der Unsterblichkeit nutzbar zu machen. In alten Liedern erweckt der Reishi Pilz sogar Tote wieder zum Leben, so zum Beispiel ein unglückliches Bauernmädchen, das sich aus Gram über seinen zürnenden Vater selbst vergiftete. Ihr Geliebter, ein einfacher Hirte, verabreichte ihr darauf hin auf Geheiß eines buddhistischen Mönchs ein Stückchen Reishi – und siehe da, die Liebesgeschichte fand doch noch ein glückliches Ende.

Die Herrscher und hohen Beamten der östlichen Dynastien bezahlten Unsummen für das seltene Heilmittel, in manchen Epochen war ein Reishi-Fund mehr wert als die Entdeckung einer Goldader. Entsprechend glücklich schätzte sich ein Herrscher, wenn er den Ling Zhi in seinen eigenen Gärten fand. Wu Ti, ein Kaiser der Han Dynastie (206 bis 220 n. Chr.) feierte dieses spektakuläre Ereignis jedenfalls gebührend, indem er hungrige Untertanen speiste und Gefangene frei ließ. Die Kunst, den Reishi gezielt auf seinem bevorzugten Wirt anzusiedeln und kommerziell zu nutzen, blieb allerdings auch diesem Herrscher verborgen. Erst ein japanischer Bauer, der sich rund 2000 Jahre später seinen Lebensunterhalt mit dem Anbau von Pflaumenbäumen verdiente, entdeckte, wie man ein Reishi Myzel kultiviert. Davon profitierte unter anderem die Wissenschaft, die sich dem neuen alten Wundermittel begeistert zuwandte und erstaunliche Inhaltsstoffe und mögliche Wirkungsspektren entdeckte.

Heute sprießen weltweit etwa 4300 Tonnen Reishi pro Jahr auf Holzpfropfen oder Spänen, die auf Strohballen ausgebracht werden oder an Bäumen verankert sind. Die Aussaat der Sporen erfolgt via Zellkultur. Das Verfahren ist aufwändig und erfordert viel Fingerspitzengefühl, was bedeutet, dass der Reishi ein teures Handelsgut geblieben ist. Rund 160 Euro erzielt ein Kilogramm des Ausnahmesubstrats aktuell auf dem Weltmarkt. Der größte Teil der unscheinbaren Pilzkulturen, die nach gut 10 Monaten erntereif sind, wird heute in China, Japan und anderen ostasiatischen Staaten und in den USA gepflegt.